Hilfe! Mein Kind will nicht spielen




Die Bedeutung des Spiels steht außer Frage. Kinder lernen dabei ihre motorischen Fähigkeiten zu schulen, sie lernen soziale Interaktion und vieles mehr. Ich denke es gibt niemanden, der nicht um die Wichtigkeit des Spiels bescheid weiß.

Das Spiel ist die Arbeit des Kindes. -Maria Montessori

…aber was ist, wenn das Kind nicht spielen möchte?

Mögliche Gründe für das nicht spielen eines Kindes können sein:

  • Aufmerksamkeit: dein Kind möchte lieber Zeit mit dir verbringen und sucht daher deine Aufmerksamkeit Achtung sucht
  • Sensorische Probleme
  • das Spiel ist eine Tätigkeit für die sich dein Kind nicht interessiert
  • Angst oder Angst vor der sozialen Situationen wie etwa das Spiel in der Gruppe
  • Entwicklungsverzögerung (feinmotorische oder grobmotorische Schwierigkeiten z.B. etwas feines aufzuheben, zu laufen, soziale Fähigkeiten, Sprachverzögerungen usw…)
  • Schwierigkeiten beim Verstehen von Spielregeln

Wie immer sind das nur einige Gründe, es können noch beliebig viele angeführt werden.

Was kannst du tun, wenn dein Kind einfach nicht spielen will?

Anpassung des Spiels

Reflexion

Bevor wir etwas verändern können, müssen wir die momentane Situation reflektieren. Nur so sind wir in der Lage unser Verhalten und das Verhalten unseres Kindes besser einschätzen zu können.

Mögliche Fragen an uns könnten hier sein:

  • Braucht mein Kind mehr Zeit mit mir allein? Ich habe aus diesem Grund den Mama- Tochter Tag eingeführt, weil ich genau weiß, dass meine größte Tochter oft „zu kurz“ kommt. Sie muss öfters warten, weil die beiden Kleineren ihre Bedürfnisse noch nicht so gut alleine stillen können. Wenn ich von der Arbeit heim komme, dann wollen die Kinder einfach nur Zeit mit mir oder ihrem Papa verbringen.
  • Entspricht das Spiel dem Entwicklungsstand des Kindes?  Etwa dem Sozialen, im Geistigen, der Sprache, Fein oder Grobmotorik. Der jeweilige Entwicklungsstand kann natürlich das Spiel des Kindes beeinflussen. Wenn das Kind dabei sprechen soll und dies ihm noch schwer fällt oder es das Spiel noch nicht ausreichend verstehen kann. Es kann natürlich auch vorkommen, dass ein Spiel Grob- oder Feinmotorische Aktivitäten verlangt, welche das Kind noch nicht beherrscht.
  • Interessiert das Spiel das Kind überhaupt? Jedes Kind hat unterschiedliche Vorlieben und Interessen. Oftmals versucht man ein neues Spiel in den Kindesalltag zu integrieren, aber das Kind nimmt dieses nicht an, weil es an dieser Materie oder dem Inhalt einfach noch nicht interessiert ist. Versuche herauszufinden: Was ist das Interesse meines Kindes?
  • Wie ist der Alltag des Kindes? Manche Kinder kommen müde vom Kindergarten nach Hause, kleinere Kinder waren vielleicht mit beim Einkaufen und dies hat sie angestrengt. Sie wollen einfach nur ihre Ruhe. Sie haben viele Eindrücke gesammelt und müssen diese verarbeiten, daher ziehen sie sich vielleicht nach einem langen Tag zurück oder sie wollen eben einfach nicht mehr spielen um die Tagesgeschehnisse zu verarbeiten.
  • Hat das Kind Probleme mit der sensorischen Verarbeitung? Die Sinne habe ich schon ausführlich beschrieben. >Hier< findet ihr nochmals eine Übersicht. Wichtig ist sich zu überlegen, welche Sinne werden bei dem Spiel angesprochen und ob das Kind dabei vielleicht Probleme oder Abneigungen hat.
Ideen um das Spiel zu verändern
  • Spielangebote nach dem Interesse verändern: Oft höre ich, dass Eltern erzählen, mein Sohn spielt nur mit Autos, Autoalles andere interessiert ihn nicht. Das ist richtig, die meisten Kinder haben ein Lieblingsspiel, bei dem das Kind oftmals die Eigenschaft oder das „Drumherum“ interessiert. Und hier sind wir gefordert. Überlegen wir uns also am Beispiel des Autos, welche Angebote hier noch möglich wären. Autos: sie bewegen sich, rollen, fahren, die Räder bewegen sich. Nun, nachdem wir diesen Schritt wissen, überlegen wir uns: Welche Aktivität oder welches Spiel hat etwas, das sich bewegt, rollt oder noch Räder hat? Dies wäre zum Beispiel eine Murmelbahn, mit Knetmasse verschiedene Autos zu kneten- diese vielleicht mit Zahnstocher zu verbinden, ein Bausatz zum Bauen von Autos wie z.B. Matador oder Heros, auf Schrauben die richtige Mutter drehen oder Autos nach Farben zuordnen. Die Liste könnte wieder einmal endlos lange werden. Aber dies sollte nur als Beispiel dafür dienen.

Murmelbahn

  • Integration in den Alltag: Kinder können im Alltag sehr viel mithelfen und dies macht ihnen auch Spaß. Das Anpassen von Utensilien an die kleinen Kinderhände und schon kann es losgehen. Trau deinem Kind ruhig mehr zu. Das Ausräumen des Geschirrspülers, das Abwischen des Tisches, das Schneiden von Gemüse beim kochen und vieles mehr. All das kann dein Kind… oder es kann es lernen.
  • Wenn dein Kind dich oder andere sehr stark beim Spielen benötigt, wäre es eine Möglichkeit mit dem Kind dasSchrauben Spiel zu beginnen und wenn das Spiel einen gewissen Lauf hat, dann versucht man sich langsam vom Spiel zu entfernen, vielleicht nach kurzer Zeit auch wieder zurück zu kommen und weiter zu spielen, sodass das Kind die positive Erfahrung macht: ich kann es auch kurze Zeit schon alleine. Manchen Kindern reicht es auch, wenn man einfach nur dabei ist. Sie benötigen vielleicht gar keinen Spielpartner, sie wollen aber einfach nicht alleine sein.
  • Es kann aber auch genau das Gegenteil sein. Das Kind würde alleine spielen und wir stören es dabei. Oftmals greifen wir viel zu schnell in das Spiel des Kindes ein. Anstatt uns hinzusetzen und das Kind zu beobachten oder auch einmal ein Buch zu lesen 😉  beobachten wir das Kind und helfen oftmals ungefragt und intuitiv, obwohl uns das Kind gar nicht benötigen würde. Hier wird das Kind gestört und wendet sich dann, unterbrochen in seinem Tun, hilfesuchend an seine Eltern.

Natürlich wollen wir unseren Kindern verschiedene Arten von Spielen anbieten, welche die Feinmotorik fördern, die Kreativität, die Phantasie, die Grobmotorik usw.. Aber wenn ein Kind an einem Vorgang, egal welcher dies auch sei, interessiert ist, dann ist es gut, wenn wir es nicht stören. Auch wenn es für uns vielleicht kein wirkliches Spiel im klassischen Sinne ist. Kinder können sich einer Aktivität verlieren, ihre Aufmerksamkeit stark darauf lenken und scheinbar die Welt ums sich herum vergessen, sie sind dabei höchst konzentriert. Maria Montessori bezeichnet dies als Polarisation der Aufmerksamkeit. Sie beschreibt dies so:

„Zu Anfang beobachtete ich die Kleine, ohne sie zu stören, und begann zu zählen, wie oft sie die Übung wiederholte, aber dann, als ich sah, daß sie sehr lange damit fortfuhr, nahm ich das Stühlchen, auf dem sie saß, und stellte Stühlchen und Mädchen auf den Tisch; die Kleine sammelte schnell ihr Steckspiel auf, stellte den Holzblock auf die Armlehnen des kleinen Sessels, legte sich die Zylinder in den Schoß und fuhr mit ihrer Arbeit fort. Da forderte ich alle Kinder auf zu singen; sie sangen, aber das Mädchen fuhr unbeirrt fort, seine Übung zu wiederholen, auch nachdem das kurze Lied beendet war. Ich hatte 44 Übungen gezählt; und als es endlich aufhörte, tat es dies unabhängig von den Anreizen der Umgebung, die es hätten stören können; und das Mädchen schaute zufrieden um sich, als erwachte es aus einem erholsamen Schlaf.“ (Montessori, Schule des Kindes. (1976), S. 69 f.)

Ein weiterer Aspekt kann die Umwelt, in der sich das Kind befindet liefern. Fernseher, Musik oder andere „ablenkende“ Faktoren können die Konzentration des Kindes beeinflussen. Daher ist es wichtig, diese zu reduzieren. Je mehr Umgebungsreize vorhanden sind, desto schwerer tun sich Kinder bei einer Sache zu bleiben. Daher versucht elektronische Geräte bewusst einzusetzen und das „nebenbei“ laufen lassen zu verhindern.

Kinder die sich unwohl bei Gruppenspielen fühlen, haben es viel leichter, wenn sie das Spiel mit nur einer oder zwei Personen beginnen. Dann wird die erste Hemmschwelle genommen. Das Kind kann sich auf sein Gegenüber einstellen und es einschätzen. Dann kann eventuell begonnen werden, noch weitere Kinder in das Spiel mit einzubeziehen. Dieser Schritt sollte jedoch behutsam vorgenommen werden.

Sollte dein Kind eine körperlichen Beeinträchtigung haben, dann gibt es hier auch adaptive Spielsachen. Es gibt größere Knöpfe oder Spielfiguren, welche gerade bei Gruppenspielen das mitspielen möglich machen. Im Grobmotorischen Bereich gibt es spezielle Fahrräder oder Schaukeln. Auch für den Haushalt gibt es griffverdicktes Besteck, Brettchen mit kleinen Halteknöpfen und vieles mehr. Wenn ein Kind eine sprachliche Beeinträchtigung hat, kann man  etwa Tafeln mit Bildern bereitstellen, um hier die Kommunikation zu erleichtern.

Die wichtigsten Punkte der Anpassung

  • Achtet darauf, dass das Spiel die Interessen deines Kindes Berücksichtigt und die positiven Dinge mit einbezieht, welche dein Kind machen oder spielen möchte.
  • Auch wenn für uns eine Aktivität nicht nach einem Spiel aussieht, so kann dies für dein Kind ein Spiel oder ein erforschen seiner Interessen und Bedürfnisse sein.
  • Greife nicht in das Spiel ein, wenn du denkst, dein Kind benötigt Hilfe. Warte bis dein Kind zu dir kommt und sich Hilfe holt.
  • Passe das Spielangebot an den Entwicklungsstand des Kindes an und nicht umgekehrt.

 

Wir können nicht immer mit unseren Kindern gemeinsam spielen oder eine Aktivität durchführen, aber es ist unser Aufgabe eine Balance zu finden und neue Materialien und Spielsachen so einzuführen, dass es unser Kind nicht unter oder überfordert.

 

Wenn du Ideen zum Verändern einer Lieblingsaktivität eures Kindes benötigst, hinterlass mir doch einfach einen Kommentar oder schreib mir. Vielleicht fällt mir ja etwas ein.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Gute

Eure Pia

One comment

  1. Elisabeth Soechting says:

    Schön, dass Sie die Themen SI und Spiel aufgreifen! Vielleicht hat Sie ja sogar unsere Informationsbroschüre „Manche Kinder sind irgendwie anders…“ zu Ihrem Titel inspiriert! (Herausgegeben von Gesellschaft für Sensorische Integration in Ö)
    Nicht spielen zu können – und daher nicht zu wollen – ist meistens Ausdruck einer Dyspraxie, Schwäche der Bewegungs-und Handlungsplanung. Das Kind weiß nicht, WAS es spielen soll (Ideation) und/oder hat keinen Plan, WIE es das tun soll. Nicht vorsagen, was zu tun ist, sondern immer durch Fragen anleiten ist mein bester Tipp für Eltern!
    Mit besten Grüßen,
    Elisabeth aus Wien

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