9 Sätze die du nie zu Eltern eines Kindes sagen solltest




Immer öfter fällt mir auf, dass sich fremde Leute über Kinder und deren Eltern öffentlich äußern. Leider aber nur sehr selten positiv. Meistens sind es abfällige Bemerkungen. Böse, gemein und verletzend.

Wenn man nun ein Kind mit einer Störung der sensorischen Verarbeitung  (=SI Kind) hat, dann kommen immer wieder Verhaltensweisen zum Vorschein, welche den Eltern und auch den Kindern böse und herablassende Blicke bescheren, aber auch Erziehungstipps oder wertende Kritik in Bezug zum Erziehungsstil.

Aus diesem Grunde möchte ich euch heute 9 Dinge mitgeben, welche ihr nie zu Eltern eines Kindes mit Problemen in der Verarbeitung sensorischer Reize hat.

Wenn ich ganz ehrlich bin, bevor ich vor vielen Jahren nach der Schule meinen medizinischen Berufsweg eingeschlagen habe und damals auch noch keine Kinder hatte, hätte ich vielleicht auch so gedacht. Es ist zwar nicht meine Art, Menschen, welche ich nicht kenne zu kritisieren, aber alleine in dem Unwissen, dass Kinder mit Problemen der sensorischen Verarbeitung nichts für ihr Verhalten können, sind mir damals als Jugendliche sicher auch einmal solche Gedanken gekommen. Denn was denken sich die meisten, wenn sie ein schreiendes, am Boden zappelndes Kind im Supermarkt sehen. Sicher nicht: Das Kind explodiert gerade innerlich, es weiß nicht mit seiner Energie umzugehen. Nein, die meisten denken sich: „Warum greift denn bitte die Mutter hier nicht einfach einmal hart durch.“ Ich für meinen Teil habe Gott sei Dank mit Hilfe meiner Studien, meines Menschenverstandes und meiner Lebenserfahrung dazu gelernt und diese Möglichkeit möchte ich heute auch anderen geben, auch wenn sie selbst kein Kind mit einer sensorischen Verarbeitungsstörung haben.

Ich bin der Meinung, dass Eltern eines SI Kindes sehr stark mit dem gesellschaftlichen Druck zu kämpfen haben. 9 Sätze ElternKinder sind nur dann erwünscht, wenn sie ruhig und brav sind. Alles andere… sagen wir es einmal so: ist das Versagen der Eltern. Aber dem ist nicht so und genau das lässt diese Eltern zweifeln. An sich selbst, ihrer Erziehung, der Schwangerschaft, dem Familienleben und auch Zweifel an ihrem Kind. Daher sind dann gewisse Äußerungen wie „Salz auf der Wunde“. Sie verletzen, tun weh, rufen Selbstzweifel und Schuldgefühle hervor und machen diese Eltern zerbrechlich.

9 Sätze die du nie zu Eltern sagen solltest

  1. Es ist nur eine Phase: Nein, es ist nicht nur eine Phase. Eine Phase ist, wenn ein Kind für einen gewissen Zeitraum kein Gemüse mehr isst oder sich nur noch rosa anzieht. Aber es ist keine Phase, wenn sich die Kleidung am Körper einfach nicht gut anfühlt. 
  2. Es wird sich verwachsen: Ja, das Kind wird wachsen, es wird sich verändern und genau darum sollte es unser Ziel sein, ihm zu helfen, damit es lernt sich selbst zu regulieren. Denn einfach aus sich herauswachsen kann das Kind leider nicht.
  3. Alle Kinder tun das: Das ist natürlich richtig, in gewisser Weise tun das alle Kinder, denn jedes Kind hat in Bezug zur sensorischen Verarbeitung ihre Vorlieben. Allerdings haltet sie diese Verarbeitung nicht davon ab in ein Geschäft zu gehen, ins Schwimmbad oder zu einer Party.
  4. Es braucht einfach mehr Disziplin: Oh, das Wort Disziplin, wie gerne es doch benutzt wird. Ich denke, viele Eltern haben manchmal, in ihrer Erschöpfung, auch das probiert. Jedoch, wird dies nur bedingt Wirkung zeigen, wichtig ist das Wissen zur Entwicklung der Sinne und wie wir dem Kind helfen können.
  5. Früher durfte man halt noch ein Kind sein:  Früher wussten wir aber auch noch nicht soviel über das menschliche Gehirn und deren Sinnesverarbeitung. Früher konnten die neuesten Informationen nicht mittels Mausklick an die gesamte Welt verschickt werden und früher hatten wir auch nicht diese Untersuchungsmöglichkeiten.
  6. Das Kind sieht doch normal aus: Herzlichen Dank, das Kind ist normal. Sein Gehirn funktioniert nur etwas anders als das von anderen Kindern.
  7.  Es weiß genau was es tut: Vermutlich nicht, oder doch? Zumindest nicht in allen Situationen und genau daher arbeiten wir mit dem Kind auf verschiedene Art und Weise daran, seine Gefühle einzuordnen, zu verstehen und entsprechend zu reagieren.
  8. Es muss einfach nur einmal seine Energie abbauen: Diese Kinder haben meistens genug sensorische Angebote wie eine Schaukel, ein Trampolin, Kletterwand, Bälle usw. zu Hause. Hier geht es nicht um überschüssige Energie.
  9. Wenn das mein Kind wäre…: Ach ja… was würdest du dann tun? Ihn anschreien, ohrfeigen, ins Zimmer wegsperren, ihm noch weitere 10 time outs geben…? Das würdest du alles tun, mit deinem Kind?

Dies sind nur einige der Aussagen, die Liste kann hier natürlich noch beliebig weiter ergänzt werden. Aber genau solche Aussagen tun einfach weh und sollten Eltern, welche sich täglich mit ihrem Kind bemühen, dann nicht auch noch gesagt werden. Denn keiner von uns Außenstehenden hat jemals erlebt, wie unangenehm es dem Kind ist, wenn es diese beengenden Socken tragen soll, wenn es ihm unangenehm ist, in einer größeren Gruppe zu sein oder wenn ihm die Umgebung viel zu laut ist.

Aber was sollen wir denn statt dessen sagen?

Hier schreibe ich euch ein Vorschläge, welche ihr statt dessen sagen könntet, wenn ihr Eltern mit einem SI Kind trefft. Die Vorschläge beziehen sich auf Fremde aber auch auf Bekannte oder Freunde, welche einfach nur Anregung für eine veränderte Hilfestellung benötigen.

Hilfreiche Sätze an Eltern mit einem Kind mit einem Problem der sensorischen Verarbeitung

  1. Dein Kind scheint mit irgendetwas zu kämpfen…
  2. Ich weiß ihr seid gute Eltern
  3. Kann ich dir irgendwie helfen?
  4. Wie wird euer Tag dadurch verändert?
  5. Du machst das toll.
  6. Kann ich deinem Kind irgendwie helfen und dich entlasten?
  7. Kannst du mir einmal mehr darüber erzählen?
  8. Ich bin für dich da …
  9. Ich glaube dir …

Überlegt einmal, wie gut es tut, wenn einem jemand Hilfe anbietet und einem signalisiert: Ich helfe dir und ich glaube dir, du machst das gut. Es gibt uns Kraft und stärkt uns. Darum, wenn du das nächste Mal eine Mutter im Geschäft siehst, dessen Kind sich am Boden windet und laut schreit, dann sag bitte nicht gleich: „Also wenn das mein Kind wäre…“

 BIETE deine Hilfe an, frage die Mutter ob du ihr helfen kannst, dies fühlt sich viel besser an und ist nicht wertend!!

Alles Liebe

Pia


 

 

One comment

  1. Beatrice says:

    Das finde ich mal schön gesagt. Denn ja, es stresst ja schon, dass man dem Kind oft nicht wirklich helfen kann außer mit möglichst viel Ruhe da zu sein. Wenn dann noch blöde Kommentare kommen ist das nicht schön und bringt nur noch mehr Unruhe. Ich bin nicht sicher ob meine mittlere Tochter ein SI Kind ist. Ich weiß nur, sie tickt da etwas spezieller als die anderen beiden. Kleidung muss bequem sein, die Strümpfe müssen hoch gezogen sein und glatt anliegen. Der Strumpfhosenbund darf nicht zu hoch sitzen. Die Kleider am Bauch nicht zu eng sein. Und sie bekommt aus dem Nichts wilde Wutanfälle und ist dann nicht ansprechbar. Ein Wutanfall in der Öffentlichkeit ist immer schwierig, denn unweigerlich kommen blöde Kommentare und nervige Fragen. Konstruktive Hilfe gibt es nur selten.

Schreibe einen Kommentar